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... [Catan]

Die Rohstofffrage
von Robert Lorch (Original bei http://wipux1.wifo.uni-mannheim.de/~robert/siedler/strateg.htm)



Die Rohstoff-Frage

Da "Die Siedler von Catan" ein kapitalistisches Spiel ist, sind wir auch in der Rohstoff-Frage den Gesetzen des Marktes unterworfen. Wesentlich für den Wert eine Rohstoffs sind Angebot und Nachfrage:

I. Beginnen wir also mit der Nachfrage:

Wie stark wird ein Rohstoff im Laufe des Spiels benötigt?

Sieht man einmal vom Umtausch und der Rolle der Häfen ab, müßte sich die Nachfrage eines Rohstoffs im gesamten Spiel über die gebauten Strassen, Siedlungen, Städte (,Schiffe) und Entwicklungskarten errechnen lassen.

Betrachten wir der Einfachheit halber das basisspiel und die 10 Punkte-Sieggrenze. Jeder Spieler wird in dieser Zeit nach meiner Schätzung im Mittel

  • 10 Strassen,
  • 3 Siedlungen (2 davon werden danach zu Städten ausgebaut) und
  • 2 Städte gebaut und
  • 3 Entwicklungskarten gezogen haben. (Ohne die 2 Anfangssiedlungen)

Verbrauchte Rohstoffe pro Spieler:

10 Straßen    = 10 Wald / 10 Lehm
 3 Siedlungen =  3 Wald /  3 Lehm / 3 Weizen / 0 Erz / 3 Schafe
 2 Städte     =  0 Wald /  0 Lehm / 4 Weizen / 6 Erz / 0 Schafe
 3 Entwkarten =  0 Wald /  0 Lehm / 3 Weizen / 3 Erz / 3 Schafe
---------------------------------------------------------------
 Summe          13 Wald   13 Lehm   10 Weizen  9 Erz   6 Schafe

Als Faustregel kann man sich für die Nachfrage merken:
Das Verhältnis Wald / Lehm / Weizen / Erz / Schaf = 4 - 4 - 3 - 3 - 2

Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Betrachten wir nur die Anfangsphase des Spiels, so werden hier kaum Städte gebaut, sondern massig Straßen und Siedlungen, so daß eine Unterteilung in Anfangsphase / Endphase gerechtfertigt scheint:

Anfangsphase:

 6 Strassen, 2 Siedlungen, 1 Entwicklungskarte

 6 Strassen   =  6 Wald /  6 Lehm
 2 Siedlungen =  2 Wald /  2 Lehm / 2 Weizen / 0 Erz / 2 Schafe
 1 EntwKarte  =  0 Wald /  0 Lehm / 1 Weizen / 1 Erz / 1 Schafe
---------------------------------------------------------------
 Summe           8 Wald    8 Lehm   3 Weizen   1 Erz   3 Schafe

Endphase:

 4 Strassen, 1 Siedlung, 2 Städte, 2 Entwicklungskarten

 4 Strassen   =  4 Wald /  4 Lehm
 1 Siedlung   =  1 Wald /  1 Lehm / 1 Weizen / 0 Erz / 1 Schafe
 2 Städte     =  0 Wald /  0 Lehm / 4 Weizen / 6 Erz / 0 Schafe
 2 Entwkarten =  0 Wald /  0 Lehm / 2 Weizen / 2 Erz / 2 Schafe
---------------------------------------------------------------
 Summe           5 Wald    5 Lehm   7 Weizen   8 Erz   3 Schafe

Das Verhältnis Wald / Lehm / Weizen / Erz / Schaf entwickelt sich also im Laufe des Spiels
von ca. 8 / 8 / 3 / 1 / 3 zu 5 / 5 / 7 / 8 / 3.

Folgerung:

Es ist zunächst wichtig, möglichst viel Wald und Lehm zu besitzen, um schnell expandieren zu können. Die Expandierung sollte dann in Richtung Weizen, Schaf, Erz gehen.

Betrachten wir hierzu ein Beispiel:

Bild 1

Bild 2

Wie können wir angesichts unserer bisher gewonnen Erkenntnis entscheiden, welches Feld uns spieltechnisch wohl mehr einbringt ?
Multiplizieren wir doch unser Nachfrage-Verhältnis mit der Würfelwahrscheinlichkeit:

Bild 1:

Gesamtnachfrage:13/13/10/9/6
                 | |       |
Wald = H(9) *13 -  |       |  = 4 * 13 = 42
Lehm = H(3) *13 ---        |  = 2 * 13 = 26
Schaf= H(11)* 6 ------------  = 2 *  6 = 12
                                        ----
                                         90
Anfangsnachfrage:8/8/3/1/3 
                 | |     |
Wald = H(9) * 8 -  |     | = 3 * 8 = 24
Lehm = H(3) * 8 ---      | = 2 * 8 = 16
Schaf= H(11)* 3 ---------  = 2 * 3 =  6
                                   ----
                                     46
Endnachfrage:    5/5/7/8/3
                 | |     |
Wald = H(9) * 5 -  |     | = 3 * 5 = 15
Lehm = H(3) * 5 ---      | = 2 * 5 = 10
Schaf= H(11)* 3 ---------  = 2 * 3 =  6
                                   ----
                                     31

Bild 2:

Gesamtnachfrage: 13/13/10/9/6
                    |  |  |
Lehm = H(5) * 13 ---   |  | = 4 * 13 = 42
Weizen=H(11)* 13 ------   | = 2 * 13 = 26
Erz  = H(8) *  9----------  = 5 *  9 = 45
                                      ----
                                      113 
Anfangsnachfrage:8/8/3/1/3 
                   | | |
Lehm = H(5) * 8 ---  | |   = 4 * 8 = 32
Weizen=H(11)* 3 -----  |   = 2 * 3 =  6
Erz  = H(8) * 1 -------    = 2 * 1 =  2
                                    ----
                                     40
Endnachfrage:    5/5/7/8/3
                   | | |
Lehm = H(5) * 5 ---  | |   = 4 * 5 = 20
Weizen=H(11)* 7 -----  |   = 5 * 7 = 35
Erz  = H(8) * 8 -------    = 2 * 8 = 16
                                    ----
                                     71

Vergleich beider Alternativen:

       Bild1 Bild2
------------------
Gesamt:  90  113 
Anfang:  46   40
Ende  :  31   71

Fazit:
Eine Siedlung in Bild1 ist in der Anfangsphase ertragsreicher als in Bild 2, in der zweiten Spielhälfte dreht sich der Spieß jedoch um. Die Frage ist, ob die zusätzlichen Rohstoffe in der Anfangsphase von Bild 1 ausreichen, um damit zusätzliche Kapazitäten zu bauen, deren Erträge ihrerseits den eklatanten Unterschied in der 2.Spielhälfte wettmachen können. An dieser Stelle brechen wir aber ab.

Was dieser Abschnitt bisher vermitteln sollte:

  • Rohstoffe werden unterschiedlich stark benötigt und sind daher unterschiedlich viel wert
  • Ein Gefühl für die Relationen der benötigten Rohstoffe

II. Das Angebot

Dieses wird beim Siedlerspielen zu Beginn oft wenig berücksichtigt. Der Wert eines Rohstoffes hängt nicht nur davon ab, wie stark er benötigt wird, sondern auch, wieviel davon vorhanden ist. Im Spiel hängt dies für jeden Rohstoff von 2 Größen ab (Tausch & Häfen wiederum unberücksichtigt)

  • Die Anzahl der Rohstoff-Felder
  • Die Verteilung der Zahlenplättchen auf den Rohstoff-Feldern
  • Die Anzahl der Siedlungen und Städte an den Feldern
  • (Der Räuber)

Anzahl der Rohstoff-Felder:

Das basisspiel enthält 4 Rohstoffwaben Wald, 4 Lehm, 4 Schafe, 3 Lehm, 3 Erz. Damit sind bereits Lehm und Erz benachteiligt. Da Wald und Lehm jeweils gleich stark benötigt werden, ist ein gutes Lehmfeld also dem Wald i.d.R. vorzuziehen.

Die Verteilung der Zahlenplättchen:

Es gibt Spiele, in denen ein bestimmter Rohstoff besonders knapp ist, weil auf allen Feldern dieses Rohstoffs schlechte Zahlen liegen. Bei der Beurteilung des Rohstoffwerts müssen wir also auch die Grundgesamtheit berücksichtigen, das Gesamtpotential.
Dies können wir z.B. indem wir einfach die Grundhäufigkeiten jedes Zahlenplättchens eines Rohstoffs zusammenzählen.

Nehmen wir an, die 4 Schaf-Felder tragen die Nummern 2, 3, 10 und 12 die 3 Erzfelder die Zahlen 4, 8, und 9.
Die Grundhäufigkeit für Schafe wäre somit:
  H(2) + H(3) + H(10) + H(12) = 1 + 2 + 3 + 1 = 7 (je 36 Wurf)

Die Grundhäufigkeit für Erz wäre dann:
  H(4) + H(8) + H(9) = 3 + 5 + 4 = 12 (je 36 Wurf)

Ergänzen wir noch die restlichen gedachten Grundhäufigkeiten dazu: Weizen 20, Wald 12, Lehm 11

Gesamtnachfrage:13/13/10/9/6 (Bild 1)
                 | |       |
Wald = H(9) * 5 -  |       |  /12 = 4 * 13/12 = 4,33
Lehm = H(3) * 5 ---        |  /11 = 2 * 13/11 = 2,36
Schaf= H(11)* 3 -----------   / 7 = 2 *  6/7  = 1,71
                                                ----
                                                8,40
Gesamtnachfrage:13/13/10/9/6 (Bild 2)
                 |  |    |
Lehm = H(5) * 5 -   |    |   /11 = 4 * 13/11 = 3,81
Weizen=H(11)* 4 -----    |   /20 = 2 * 13/20 = 1,30
Erz  = H(8) * 3 ---------    /12 = 5 *  9/12 = 3,75
                                               ----
                                               8,86

In diesem Fall hat sich das Verhältnis wesentlich geändert, Bild 1 hat nun unter Berücksichtigung des Rohstoffgesamtpotentials fast gleichgezogen, bringt aber aufgrund der Überlegenheit in der Startphase Startvorteile mit.

Die Anzahl der Siedlungen/Städte an einem Rohstoff-Feld:

Je mehr Siedlungen / Städte an einem Rohstoff liegen, desto größer ist natürlich der Ertrag.

Es ist natürlich schwer, zu Beginn der Partie abzuschätzen, wer wo wieviel baut, aber es liegt auf der Hand, daß alle lieber an ertragsreichen Feldern siedeln und Städte bauen. Daher müßten wir in der Potentialbetrachtung eigentlich noch einen Korrekturwert hinzufügen, indem nämlich die Felder mit den Zahlen 5, 6, 8 und 9 mehr Einfluß auf das Ergebnis verliehen wird und den Feldern 2, 3, 11 und 12 entsprechend weniger.

Dieses wird allerdings dadurch etwas kompensiert, daß ja der Räuber i.d.R auch auf attraktive Felder gelegt wird und diese zeitweise blockiert. Hören wir aber an dieser Stelle auf.

Was dieser Abschnitt vermitteln sollte:

  • Lehm und Erz haben nur 3 Karten!
  • Beachte das Gesamtpotential jeden Rohstoffs!
  • Suche den Engpaßrohstoff und prüfe, ob sich das Siedlen dort vielleicht doch lohnt!